“Ansprechen, freundlich sein, immer lachen.”
— Kunigunde Fleischhauer, 75, Fleischhauer Schreibwarenladen, Münchener Straße 41

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Kunigunde Fleischhauer verkauft Bürobedarf,
Schreibwaren und Schulartikel. Ihr Rezept ist einfach:
Immer freundlich, immer ein Lächeln!
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Wie viele Leute arbeiten hier bei Ihnen?
Wir sind eigentlich ganz klein. Festangestellte haben wir drei.
Wie viele davon sind Familienmitglieder?
Hier vom Ladengeschäft sind es zwei, also meine Tochter noch. Mein Sohn macht die Druckerei – auch hier im Viertel.
Wie hat das hier mit dem Laden damals alles angefangen?
Meine Schwiegereltern haben das Geschäft 1902 gegründet. Die waren auch immer selbst vor Ort. Angefangen hat es hier in der Moselstraße Nr. 8 mit einem kleinen Laden für Schulbedarf und mit einer kleinen Druckerei dabei. Dann wurde das aber zu klein und der Schreibwarenladen ist in die Münchener Straße 41 gezogen. 1990 haben wir den Laden hier an der Ecke bezogen und haben uns vergrößert. Wir wollten immer gerne ein Eckgeschäft. Hier sind wir sehr zufrieden – mit der Lage und der Größe. Wir haben ja ein recht großes Angebot mit Bürobedarf, Zeichenartikeln, Geschenkartikeln und edlen Schreibgeräten.
Seit wann sind Sie denn im Laden mitbeschäftigt?
Seit 1953 bin ich hier. Direkt als Festangestellte. Seitdem bin ich jeden Tag hier.
Haben Sie schon immer in dieser Branche gearbeitet? In dieser auch gelernt?
Ich habe schon in dieser Branche gelernt, im Papier-bereich. Es war eine kaufmännische Ausbildung und ich habe meine Prüfung darin abgelegt. Meine Lehre ging drei Jahre lang, wie sich das so gehört. Habe alles von Grund auf gelernt. Dann bin ich auch in diesem Bereich geblieben. Das ist einfach meine Branche, da bin ich rein gewachsen. Eigentlich bin ich über eine frühere Freundin hier in dieses Geschäft gekommen. Sie hatte hier früher gearbeitet, ist dann ausgewandert und sagte mir, ich soll mich doch mal hier vorstellen. So bin ich hergekommen und auch geblieben – mein Leben lang.
Gab es je Zweifel, ob es die richtige Berufswahl war?
Nein, Zweifel hatte ich nie. Das ist genau das Richtige – mein Bereich, meine Branche. Es macht mir noch immer großen Spaß, jeden Tag hier zu sein. Das ist auch sehr schön. Man kennt mich – ich bin hier sehr bekannt in diesem Viertel.
Wie war es früher in den 50er Jahren hier in der Gegend? War es da schon ein Rotlichtviertel?
In den 50ern ging es noch, aber dann in den 70er Jahren… Da gab es dann viele von diesen Bars, das war so richtig Rotlicht.
Ist denn seit den 70ern auch mehr los auf den Straßen? Mehr Laufkundschaft unterwegs?
Damals war schon immer sehr viel los hier auf den Straßen. Es wurde dann eher weniger. Stark hat man es gemerkt, als die U-Bahn gebaut wurde in den 90er Jahren. Vorher mit der Straßenbahn fuhr man oben die Straße entlang, jetzt fahren alle unterirdisch und kommen direkt am Hauptbahnhof raus.
Wie setzt sich die Kundschaft zusammen?
Haben Sie viele Stammkunden? Hier sind ja auch viele Banken, davon sind viele Kunden bei uns. Wir beliefern auch Banken und große Firmen mit Bürobedarf und haben auch Streckengeschäfte. Stammkunden haben wir einige. Viele bekommen eine Monatsrechnung von uns. Die kaufen hier ein, bekommen einen Lieferschein und am Ende des Monats gibt es dann die Rechnung. Ich weiß gar nicht, ich denke, wir könnten auch so gut überleben, aber man braucht auch ein paar von den Streckengeschäften. Und auch unsere Druckerei ist sehr stark. Dann haben wir auch viele Eltern und Schulkinder als Kunden – hier gegenüber ist direkt eine Schule.
Wann ist denn für Sie hier im Geschäft die beste Zeit am Tag?
Um die Mittagszeit. Eigentlich ist es immer ganz gut, aber mittags, wenn Pausenzeit ist, da kommen schon viele vorbei. Sonst kann man das so nicht genau sagen. In den 90ern hat man das ja so eingerichtet, einen langen Tag in der Woche. Früher war das der Donnerstag. Das war eigentlich der beste Tag – da hatten wir von morgens bis abends richtig zu tun gehabt. Das gibt’s aber nicht mehr, das ist alles vorbei.
Können Sie irgendetwas leisten, was sonst keiner kann? Gibt es Konkurrenz für Sie?
Hier an der Ecke sind wir so ziemlich alleine. Da gab es zwar früher noch zwei anderen Geschäfte, die haben aber zu gemacht. Und jetzt sind wir hier alleine. Spezielle Artikel grenzen sich nicht ab, wir haben aber ziemlich alles, ein großes Sortiment. Wir führen zum Beispiel auch Toner. Da kommen öfter mal Kunden und sagen, dass wir teilweise preiswerter sind als die großen Kaufhäuser. Das fand ich dann sehr interessant. Manchmal sind wir 3 oder 4 Euro günstiger als die Großen. Das wurde mir jetzt öfter gesagt, das freut einen auch. Ich kann es selbst nicht nachvollziehen, ich habe gar keine Zeit dahin zu gehen. Man sollte sich doch öfters mal so orientieren, habe ich aber nicht. Viele denken ja immer, in kleinen Läden ist alles teuerer, ist es aber gar nicht.
Hatten Sie irgendwann einmal Zweifel? Gab es für Sie einmal beruflich eine schwierige Zeit zu überstehen?
Ich habe hier den Laden geführt und habe dann noch mal einen weiteren Laden auf der Zeil aufgemacht, in der Zeilgalerie. Den haben wir dann aber wieder zu gemacht nach 9 Jahren. Wir waren dort im dritten Stock und haben uns dort sogar noch vergrößert. Anfangs hatte ich dort noch 6 Angestellte, aber dann lief das nach ner Zeit nicht mehr so. Das Flair stimmte nicht mehr, es wurde nur noch die Jugend angesprochen, es hat sich dann von der Zielgruppe so sehr verändert, das lief dann einfach nicht mehr. Gerade weil wir da die teuren Schreibgeräte hatten. Die Geschäfte wurden dann plötzlich anders. Da hat einer neben uns aus Pappkartons verkauft und nur Leinen im Laden gespannt, es kam anderes Publikum und viel jüngere Leute, das war dann einfach vorbei. Ich war dann auch sehr froh, dass wir da aus dem Mietvertrag raus gekommen sind.
Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?
Freundlichkeit – ganz einfach. Ansprechen, freundlich sein, immer lachen. Dann kommt der Kunde gerne wieder.
Was war denn für Sie die bisher größte Herausforderung in Bezug auf das Geschäft?
Also, meine persönliche Herausforderung – als ich dann geheiratet hatte – war, dass mir der Laden zu klein war und ich wollte einfach, dass wir größer werden, uns mit dem Laden vergrößern. Ich musste da zwar immer etwas drängen und sagen: „Komm wir machen das.“ Da war ich definitiv die treibende Kraft.
War das auch Ihr einprägsamstes Ereignis in Ihrer Laufbahn?
Dass der Umzug in den neuen Laden geklappt hat – da war ich sehr stolz drauf. Ich habe mir einen ganz tollen Innenarchitekten ausgesucht und damals war die Farbe Orange sehr modern. Und Weiß. Und unser Laden war ganz toll orange und modern gestaltet und mit einem sehr bunten Teppich. Da sind dann alle über mich hergefallen und auch der Architekt sagte: „Wie konnten Sie so einen bunten Teppich aussuchen?“ Ich fand ihn aber ganz toll und habe ihn extra einfliegen lassen. Der kam aus England. Als dann alles fertig war, sagte der Architekt: „Es sieht super aus, sehr modern! Ich werde jetzt nur noch bunte Teppiche verlegen.“ Die Treppe war hell, also, der Laden sah einfach toll aus, sehr hübsch, mit Orange und Hellgrün, einfach sehr schön. Mir hat es gefallen, es war genau die richtige Entscheidung.
Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft in Hinblick auf Ihr Geschäft?
Mein Wunsch wäre, wenn wir jetzt in drei Jahren unser Jubiläum feiern, unser 110-jähriges, und da noch dabei sein zu können. Ja, da freue ich mich schon sehr drauf! Und ich wünsche mir, dass unsere Branche, also unser Geschäft, weiterhin bestehen bleibt. Und dass es immer in Familienbesitz bleibt. Meine Tochter ist ja schon mit dabei und ich habe auch schon Enkelkinder und hoffe sehr, dass die später auch daran Interesse haben.