Jan 1, 2010
@ 10:09 pm
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„Wir behandeln auch die Stars wie ganz normale Menschen. Das gefällt Ihnen und sie kommen immer wieder gerne zu uns.“

— Bernhard Hahn, Cream Musik – Musikhaus B. Hummel OHG, Taunusstraße 43



Cream-Music ist für viele Musiker ein zweites Wohnzimmer. 
Irgendwann kaufen sie auch, weil hier die Musik zählt 
und keine Starallüren.

Eine Frage vorweg: Euer Name „Cream-Music, Musikhaus Hummel“ – woher leitet sich das ab?
Unser Urgroßvater, Heinrich Hummel, und seine Frau Babette gründeten den Laden 1904. Die beiden hatten zwei Töchter und unser Großvater, Otto Hahn, heiratete die jüngere Tochter Irene. Darum heißt die Familie jetzt „Hahn“.

Der Laden ist aber immer noch komplett in Familienbesitz, oder?
Ja. Wir sind zwei Brüderpaare – Robert und ich, zusammen mit unseren Cousins Stefan und Martin – und betreiben jetzt den Laden in der vierten Generation. Unsere Väter, Hans und Klaus Hahn, haben den Laden die letzten 50 Jahre geführt, sind jetzt aber aus gesundheitlichen und Altersgründen nicht mehr aktiv.

Du sagtest vorhin, Euer Urgroßvater hat den Laden gegründet?
Ja, er war der Instrumentenbauer, saß in der Werkstatt und seine Frau war die Geschäftstüchtige. Darum auch „B. Hummel OHG“, so ist die Firmierung bis heute noch. Der Urgroßvater starb sehr früh, schon zur Zeit des ersten Weltkriegs. Babette hat das Geschäft dann durch die Wirren des ersten Weltkriegs, die Weimarer Republik, die Weltwirtschaftskrise und auch den zweiten Weltkrieg zusammen mit ihren Töchtern geführt (die Männer waren im Krieg). Bis dann die Kinder selbst Kinder bekamen. Mein Vater ist 1936 geboren, mein Onkel 1939. Aber so muss man sich das vorstellen: Es war Frau Hummel, die das mit ihren beiden Töchtern zusammen gemacht hat.


War euer Geschäft schon immer hier?
Ja, immer schon in der Taunusstraße. Nach dem ersten Weltkrieg ist die Familie hier ins Haus 43 gezogen, vorher waren sie im Haus 24. Heute befindet sich dort eine Pizzeria.

Gab es einen bestimmten Grund für den Sitz des Geschäftes? Warum ausgerechnet hier im Bahnhofsviertel?
Das Bahnhofsviertel war seinerzeit das modernste Viertel in Frankfurt, als die Urgroßeltern hier anfingen. Der Bahnhof selbst hatte letztes Jahr 120-jähriges Jubiläum gehabt und das ganze Viertel, das um den Bahnhof entstand, ist auch zu der Zeit gebaut worden. Es galt damals als erste Adresse für Fachgeschäfte, das Rotlichtviertel kam ja erst nach dem zweiten Weltkrieg. Zuerst war der Schwarzmarkt, dementsprechend auch die leichten Mädchen und irgendwann kam das Drogengeschäft hinterher. Wir gehören also zu den ältesten Geschäften, die noch immer da sind. Es gibt noch den Schuhmacher Lenz in der Münchener, GM-Foto hier auch auf der Taunustraße. Fleischhauers darf man nicht vergessen, die sind genauso alt wie wir… das sind eigentlich so die letzten (alten) Geschäfte hier.

Ist der Feinkost Schenk nicht auch schon sehr lange da?
Der Schenk ist noch länger da. Ich glaube, die Tradition reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück.

Wie sieht denn bei Euch so ein typischer Tagesablauf aus? Wie lange habt Ihr auf?
Unter der Woche 10 bis 19 Uhr, durchgängig, und samstags bis 18 Uhr… Tja, wie sieht’s aus? Wir schließen die Tür auf, starten die Kaffeemaschine und dann geht’s los.

Gibt es bei Euch so was wie eine Rushhour?
Es gibt schon manchmal Stoßzeiten, aber das ist ganz unterschiedlich. Manchmal hat man eine Stunde gar nichts zu tun, dann wieder zwei Stunden Tohuwabohu… man kann’s schwer beschreiben.

Wie schaut es denn bei Euch so mit der Freizeit aus? Eigener Laden, viele von Euch, die Teilzeit arbeiten. Du mit zwei Kindern zu Hause – passt das alles?

Wir haben jetzt fast alle Kinder, bis auf den Jüngsten hier, Martin. Mein Bruder hat eine Tochter, der Stefan einen Bub, ich grad mein zweites Töchterlein. Wir arbeiten alle vier Tage die Woche und helfen dann brav zu Hause mit. Und machen natürlich auch noch Musik nebenbei. Somit stehen wir auf zwei Beinen. Die Live-Musik und das Geschäft hier, das wir gemeinsam betreiben.

Live-Musik ist für Euch schon noch eine Einnahmequelle?
Für den einen mehr, für den anderen weniger.

Jeder spielt also mindestens ein Instrument.. spielt Ihr auch zusammen?
Die Cousins, Martin und Stefan, sind zusammen bei den „Madhouse Flowers“, das ist eine bekannte Coverband hier. Laut Bild-Frankfurt die beste Coverband Hessens. Mein Bruder Robert spielt und singt bei den „Roxy Flames“. Ich selbst singe in verschiedenen Formationen und moderiere hin und wieder. Wer Lust hat, mich live zu erleben: Zum Museumsuferfest spiele ich am 28.8.2009 um 20 Uhr mit den „Creamboys“ auf der journal-Frankfurt-Bühne.

Habt Ihr das hier eigentlich von Anfang gemacht? Seid Ihr richtig ins (Familien-) Geschäft rein gewachsen?

Mehr oder weniger schon, ja. Es war schon so, dass wir als Jugendliche hier gejobbt haben. Als wir Taschengeld wollten, hieß es, dann geht arbeiten. Und so haben wir hier angefangen. Ich glaub, ich war so 14-15-16. In dem Alter haben wir hier gejobbt. Der eine ist dann dabei geblieben, ich persönlich bin mal 10 Jahre raus gewesen aus der Firma, war in England, hab viel anderes gemacht und bin 2000 wieder eingestiegen. Stefan kam auch erst sehr spät in die Firma rein, aber gejobbt haben wir hier früher alle.

Gab es jemals Zweifel, ob das hier das Richtige ist? Womit man den Rest seines Lebens verbringen will? Du warst ja 10 Jahre raus…
Also reich wird man damit auf keinen Fall…

Ist also schon eher eine Passion?
Auf jeden Fall. Man muss es so sehen: Ich persönlich habe mir damals die Frage gestellt, will ich einen Bürojob machen, viel arbeiten, viel Geld verdienen, keine Zeit haben, das Geld auszugeben oder will ich mehr Lebensqualität in Form von Freizeit und Abwechslung.
Es ist natürlich schon klar – wir wissen, dass wir uns hier im Einzelhandel nicht die goldene Nase verdienen können, aber es ist halt einfach eine gute Kombination. Wenn man auch Live-Musik macht, dann verdient man auch da gutes Geld, der eine mehr, der andere weniger. Aber für mich war das schon eine Entscheidung, zu sagen, man macht hier was anderes, um dann auch mal sagen zu können, ich hab hier einen Job (Auftritt) rein bekommen, ich brauch mal einen Tag frei. Die Möglichkeit hat man natürlich woanders nicht

Also von Motivationsproblemen kann man hier wohl nicht sprechen?

Absolut nicht. Das ist eine Herzensangelegenheit. Für mich war es schon immer klar, dass ich mich hier wohl fühle und die Tradition auch weiterführen will. Wir sind ja schon eine Nummer in der Branche – man kennt das Geschäft weltweit, wir haben wirklich einen sehr guten Ruf. Mein Vater war damals der Erste, der die berühmte Fender Gitarre aus den USA importiert hat. Dadurch hat sich natürlich schon ein gewisser Stellenwert ergeben. Innovativ zeigten die Väter sich auch als sie 1978 den ersten reinen Schlagzeugladen mit einem Vorführraum eröffneten.

Was ist das Geheimnis, warum ihr noch immer so erfolgreich seid?
Zuerst einmal sind wir kundenfreundlich, das ist das Wichtigste. Unabhängig davon, ob ein Kunde rein kommt und einen Satz Saiten will oder eine Fender für’n Tausender, das ist erst einmal egal, die werden alle gleich behandelt. Das ist so ein bisschen das Geheimnis. Dass wir hier nicht auf Teufel komm raus verkaufen, verkaufen, verkaufen, sondern erst mal drauf schauen, dass eine gute Stimmung herrscht. Das die Professionalität gewahrt bleiben muss, ist klar. Es ist halt das persönliche, dass man einen Ansprechpartner hat und nicht nur eine Nummer ist, die hier durchgewunken wird.

Der Grund, warum wir auch so viele Stars haben, die hier immer wieder gerne rein schauen, wenn sie in Frankfurt sind – letzte Woche war Saga da, wir hatten Gary Moore zu Besuch, Andy Summers von „The Police“ hat letztes Jahr eine Gibson Gitarre gekauft – die kommen hier rein und werden wie ganz normale Menschen behandelt. Und das gefällt denen auch. Keine Fotos, kein Tamtam!

Andy Summers hat drei Tage hier verbracht, einfach weil er sich hier wohl fühlt. Dave Ball von „Procol Harum“ hat bereits die vierte Gitarre in diesem Jahr gekauft. Wenn alles klappt, spielt er mit den „Creamboys“ zum Museumsuferfest. Ich freue mich darauf, seinen Riesenhit „A Wither shade of pale“ zu singen.

Das bringt uns zum Thema Konkurrenz. Ist so jemand wie der Schmidt ein Problem für Euch?
Problem würde ich nicht sagen. Man kann das ja auch positiv sehen, denn dadurch kommen auch mehr Kunden in die Stadt, die sich dann auch umhören und uns als Option oder Alternative entdecken, wenn sie uns nicht von früher kennen. Oder auch unzufriedene Kunden, die zu uns wechseln… Das ist dann auch die Chance, die sich dadurch ergibt.

Wie gut kennt man sich so?
Wenn man sich sieht, grüßt man sich. Letztlich wollen wir alle was vom Kuchen abhaben und ich bin der Meinung, der Kuchen ist groß genug. Ich achte auch gar nicht so sehr auf andere. Wir müssen auf uns achten, müssen darauf achten, uns jeden Tag zu verbessern.

Und wir legen sehr viel Wert auf die Jugend. Wer hier seine erste Gitarre gekauft hat, bleibt meistens auch bei uns. Natürlich schaut man sich um und geht auch in die anderen Geschäfte – ist ja völlig in Ordnung. Aber es ist so, dass alle fünf Jahre eine neue Musiker-Generation heran wächst und da muss man präsent sein. Die lieben das, so alte Geschichten, wenn sie hören, wer hier schon so alles am Tresen gestanden hat. Große, große Namen… (John Lennon, Sammy Davis Jr., Frank Sinatra, Bill Haley, The Platters, Rory Gallagher, Led Zeppelin, Billy Idol, The Rolling Stones, Tito & Tarantula, …) Selbst Elvis Presley besaß eine Gitarre vom „Hummel“, die noch heute in Graceland zu bewundern ist.

Drüben, wo heute das Rough Diamond ist, war ja früher mal ein großer Club – haben viele dort denn auch gespielt?
Die kamen meistens für die Amerikaner hier rüber. Sind dann von hier aus runter nach Heidelberg und haben dort in den Offiziersclubs gespielt. Und wenn die dann noch ein paar Tage Zeit hatten, hat mein Vater denen damals angeboten, für sie noch ein paar Termine zu organisieren. Bei den „Platters“ war es auf jeden Fall so.

Wie ist es mit dem Internet?
Anfangs war das sicherlich ein Problem, aber mittlerweile haben wir uns darauf eingestellt… Da wir nicht so eine Riesenfirma sind und uns nicht unbedingt zwei IT-Experten leisten können, machen wir das alles selbst, da haben wir sicher noch unsere Lücken. Aber wir sind bestrebt, sind gut aufgestellt und verbessern uns immer weiter.
Im Schlagzeugsektor sind wir sehr, sehr gut, was das Internet angeht, da verkaufen wir auch sehr viel über einen eigenen ebay-Shop. Wir stehen also auf drei Beinen: Wir haben die Website, den Laden und wir haben auch unseren eigenen ebay-Shop.

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