Bahnhofsviertel-Blog

Jan 12

“Das Bahnhofsviertel ist wie das Internet: Eine Masse von Nischen.”

Jan 11

„Ich hab die Grie Sooß so richtig als Schirmgeschäft hier gemacht. So ganz haudegenmäßig.“

— Gisela Paul, Grüne-Soße-Mobil, Kaisermarkt



In einer echten Frankfurter Grüne Soße sind sieben Kräuter.
Die wichtigste Zutat ist aber die Verkäuferin: Gisela Paul,
die bekannteste Marktfrau der Stadt.
— 

Wie lange sind Sie hier dabei auf dem Markt?
Ab der ersten Sekunde, als der Markt ins Leben gerufen wurde. Das war der 4. November 1999. Es war ein Donnerstag. Ich streifte hier nachts mit meinem Auto durchs Bahnhofsviertel. Es war aber noch nicht hier der weiße Wagen, sondern noch ein roter Renault Rapid anno 1704. Ich hatte damals zu dem Zeitpunkt noch keine Grüne Soße, sondern war mehr oder weniger Informationsstand für den hessischen Landesverband für Markthandel und Schausteller, der diesen Markt ins Leben gerufen hatte. Unter der Prämisse: Keiner wollte ihn, wir haben ihn trotzdem gekriegt. Die Ecke hier war ja früher – so wie sie es heute auch noch teilweise ist – ein Sorgenkind der Stadt Frankfurt. Damals zwecks Drogenabhängigkeit, heute sind es ja eher die Spritties, die vorne rumturnen.

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Jan 07

“I dance for money. But also for fun.”

— Gabriella, 24, Tänzerin, Rough Diamond, Moselstraße 46 – 48


—  
Gabriella im „Rough Diamond“.
Sie liebt das Tanzen und die Star-Momente auf der Bühne.
Ginge es nach ihr, würde sie nie damit aufhören.
—   

Hi Gabriella.
Alles klar?

Oh, you speak german.
No, just a little.

How did you start pole dancing?
I just tried. It’s now 6 years ago.

Was it just an idea to try pole dancing or did you have any friend that told you „Well, why don´t you try that“?
No. Alone. I see one and think I go. I like this here, walking on top of the stage, make my show.

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„Alle machen um 9 Uhr auf. Ich mache immer um 8 Uhr auf.“

— Atli Fatih, 38, Friseur/Geschäftsinhaber, Goldene Schere, Münchener Straße 25



Im Rotlichtviertel sind Männer. Klar. Anfang August eröffnete
Atli Fatih seinen zweiten Salon nur für diese Zielgruppe.
— 

Wie lange haben Sie Ihr Friseur-Geschäft schon?
1.9.2002. Läuft sehr gut, Preis ist eher weniger, aber Gott sei Dank es läuft.

Hatten Sie erst geplant, mehr für einen Schnitt zu verlangen?
Ja, Preis ist wichtig, aber Service ist auch wichtig. Billiger Preis, aber guter Service!
Es gibt viel Konkurrenz.

Gibt es denn hier sehr viel Konkurrenz für Sie? Sie sind immerhin nur auf  Männerschnitte spezialisiert.
Ja, sehr viel. Aber man muss probieren. Ist wie in einem Restaurant. Man muss hin und probieren, schauen wie das Essen ist und wie der Service ist. Hier ist es so: Guter Preis und gute Qualität.

Hatten Sie von Anfang an ein Konzept oder haben Sie einfach den Laden aufgemacht und geschaut ob es läuft?
Mein Konzept ist: Alle machen um 9 Uhr auf. Ich mache immer um 8 Uhr auf. Weißt du warum? Frankfurt ist eine Großstadt, alle müssen um 9 Uhr arbeiten, wollen aber zum Friseur. Die haben keine Zeit. Ich mache um 8 Uhr morgens auf. Abends mache ich um 20 Uhr zu. Manche Leute kommen um 20 Uhr, dann mache ich das auch. Es gibt Tee und ich bin vorbereitet.

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Jan 03

„Sie können es im Handwerk nicht über den Preis regeln. Sie können nur Qualität liefern.“

— Wolfgang Lenz, Schuhmacherei Lenz, Münchener Straße 36


— 
Wolfgang Lenz setzt auf besondere Qualität: 
Er repariert nicht nur Schuhe, sondern sorgt für gute Haltung.

Wie hat das hier mit Ihrem Schuhgeschäft angefangen?
Diese Schuhmacherei wurde 1941 meinen Eltern von meinem Großvater zur Hochzeit geschenkt. Der war Schuhmacher in Wiesbaden. Hier war auch vorher schon ein Schuhmacher drin, der hat das Geschäft verkauft. Es war ja Krieg, so genau kann ich Ihnen das nicht sagen, wie das war. Aber 1941, am 1. November, wurde die Firma hier von meinen Eltern angemeldet.

Und wie kamen Sie zu der Schuhmacherei?
Ich wurde hier geboren. Während dem Krieg haben meine Eltern hier in dem Haus gewohnt und wie das halt so war… dann ist man eben auch Schuhmacher geworden. Die Lehre habe ich mit 15 oder 16 angefangen.

Haben Sie auch vor der Lehre im Geschäft mitgearbeitet?
Ich bin zur Schule gegangen und nachmittags hat man dann hier im Laden mitgeholfen, Hausaufgaben gemacht, das ist so üblich gewesen. Man hatte nicht extra ein Kinderzimmer zu der Zeit.

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Jan 01

„Wir behandeln auch die Stars wie ganz normale Menschen. Das gefällt Ihnen und sie kommen immer wieder gerne zu uns.“

— Bernhard Hahn, Cream Musik – Musikhaus B. Hummel OHG, Taunusstraße 43



Cream-Music ist für viele Musiker ein zweites Wohnzimmer. 
Irgendwann kaufen sie auch, weil hier die Musik zählt 
und keine Starallüren.

Eine Frage vorweg: Euer Name „Cream-Music, Musikhaus Hummel“ – woher leitet sich das ab?
Unser Urgroßvater, Heinrich Hummel, und seine Frau Babette gründeten den Laden 1904. Die beiden hatten zwei Töchter und unser Großvater, Otto Hahn, heiratete die jüngere Tochter Irene. Darum heißt die Familie jetzt „Hahn“.

Der Laden ist aber immer noch komplett in Familienbesitz, oder?
Ja. Wir sind zwei Brüderpaare – Robert und ich, zusammen mit unseren Cousins Stefan und Martin – und betreiben jetzt den Laden in der vierten Generation. Unsere Väter, Hans und Klaus Hahn, haben den Laden die letzten 50 Jahre geführt, sind jetzt aber aus gesundheitlichen und Altersgründen nicht mehr aktiv.

Du sagtest vorhin, Euer Urgroßvater hat den Laden gegründet?
Ja, er war der Instrumentenbauer, saß in der Werkstatt und seine Frau war die Geschäftstüchtige. Darum auch „B. Hummel OHG“, so ist die Firmierung bis heute noch. Der Urgroßvater starb sehr früh, schon zur Zeit des ersten Weltkriegs. Babette hat das Geschäft dann durch die Wirren des ersten Weltkriegs, die Weimarer Republik, die Weltwirtschaftskrise und auch den zweiten Weltkrieg zusammen mit ihren Töchtern geführt (die Männer waren im Krieg). Bis dann die Kinder selbst Kinder bekamen. Mein Vater ist 1936 geboren, mein Onkel 1939. Aber so muss man sich das vorstellen: Es war Frau Hummel, die das mit ihren beiden Töchtern zusammen gemacht hat.

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Dec 30

“Ansprechen, freundlich sein, immer lachen.”

— Kunigunde Fleischhauer, 75, Fleischhauer Schreibwarenladen, Münchener Straße 41

Bahnhofsviertel-0140

Kunigunde Fleischhauer verkauft Bürobedarf, 
Schreibwaren und Schulartikel. Ihr Rezept ist einfach: 
Immer freundlich, immer ein Lächeln!

Wie viele Leute arbeiten hier bei Ihnen?
Wir sind eigentlich ganz klein. Festangestellte haben wir drei.

Wie viele davon sind Familienmitglieder?
Hier vom Ladengeschäft sind es zwei, also meine Tochter noch. Mein Sohn macht die Druckerei – auch hier im Viertel.

Wie hat das hier mit dem Laden damals alles angefangen?
Meine Schwiegereltern haben das Geschäft 1902 gegründet. Die waren auch immer selbst vor Ort. Angefangen hat es hier in der Moselstraße Nr. 8 mit einem kleinen Laden für Schulbedarf und mit einer kleinen Druckerei dabei. Dann wurde das aber zu klein und der Schreibwarenladen ist in die Münchener Straße 41 gezogen. 1990 haben wir den Laden hier an der Ecke bezogen und haben uns vergrößert. Wir wollten immer gerne ein Eckgeschäft. Hier sind wir sehr zufrieden – mit der Lage und der Größe. Wir haben ja ein recht großes Angebot mit Bürobedarf, Zeichenartikeln, Geschenkartikeln und edlen Schreibgeräten.

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